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Rolltreppendesaster

Und wieder einmal hatte ich ein sehr erbauliches kleines Erlebnis mit der Welt:
Meine Mittagspause ist genau eine Stunde lang.... jede Minute wertvoll. 30 dieser kostbaren Zeiteinheiten benötige ich, um mein hungriges Bäuchlein zu füllen, dann bleiben also noch knapp bemessene 30 Minuten zum Einkaufen - musste Deko-Material für einen Einrichtungsmarathon kaufen, denn ich durfte die neue Wohnung meines Exfreundes (von dem Ihr hier sicher auch noch genug hören werdet) dekorieren.
Der Weg zum Karstadt runter dauert auch nochmal 5 Minuten, und da muß ich dann in den vierten Stock um an das gewünschte Material zu kommen. Also 4 Rolltreppen.Wie heißt noch gleich das schöne Sprüchlein, das  wir schon als kleine Kinder zum Thema "Rolltreppen" lernen? Links gehen, rechts stehen. genau. ganz leicht zu merken. Dachte ich.
Oma und Opa, die zum mittäglichen Einkaufsbummel auch mal eine Runde Rolltreppe fahren wollten (und beide über keine unbeachtliche Leibesfülle verfügen) können zwar kaum mehr wackeln, haben es aber mit einem beherzten Hechtsprung noch vor mich auf die Rolltreppe geschafft um sich dann synchron, als wäre es eine einstudierte Koreographie, auf jedem verdammten Abschnitt, mit einer Stufe Abstand zwischen sich, seitlich versetzt aufzustellen. So daß keiner vorbeikäme, nichtmal ne Maus oder Kate Moss. Lautes Räuspern, Schnauben oder dezentes Auf-die Pelle-rücken ignorieren sie. Aber auf der kleinen Kurve, die man laufen muß um von einer Rolltreppe zur nächsten zu kommen, sind sie plötzlich flink wie die Wiesel und wissen, dank einer gekonnten Kombination aus Schnelligkeit und zielsicherer Platzierung der fülligen Leiber, wirkungsvoll zu verhindern, daß man sie überholt.
15 Minuten später hat mein Puls, ebenso wie meine Wut, sich halbwegs gelegt, einkaufen ist halt einfach entspannend. Ich will guter Dinge und mit vollen Tüten den Rückweg ins Büro antreten, perfekt getimed. Gerade bereite ich mich darauf vor, hurtigen Schrittes die Rolltreppen herrunterzueilen, da schieben sich zwei super trendige Mammis inklusive fetter Hintern und dämlichen Blagen (mit ach so niedlichen Zöpfchen) vor mich auf besagtes Transportmittel.
Diese Muttis waren während ihrer Kindheit wohl zu beschäftigt damit, sich die tolle Einbauküche und die hippe Schrankwand vom Quelle-Versand ind den schillerndsten Tönen auszumalen, die ihnen ihr zukünftiger Traumprinz -  Herr Maier  aus der Buchhaltung - für ihr süßes Mehrfamilien-Reihenhaus mal kaufen wird, um ihren Müttern zuzuhören. Deshalb haben sie den schönen Reim "links gehen, rechts stehen" auch niemals mitbekommen und sind auch nicht in der Lage, ihn an ihre Kinder weiterzugeben. Nein, stattdessen wird Töchterchen mit voller Absicht direkt links neben Mutti platziert. ABER, damit nicht irgendein wagemutiger, Indiana-Jones-gleicher Berufstätiger sich beherzt durch den winzigen Spalt zwischen Mutter und Kind durchdrängeln kann, um vielleicht doch noch rechtzeitig seine Mittagspause zu beenden, wird das bezopfte Kind schön ordentlich an der Hand genommen. Räuspern, Schnaufen, Aufrücken - auch hier taube Ohren.
Doch plötzlich, man wagt es kaum zu glauben, löst sich der Griff und die beiden Töchter rennen ein paar Stufen nach unten. Ich, mein Glück kaum fassend, stürme nach unten an Mutti und ihrem Hintern vorbei, die Freiheit schon vor Augen. Die beiden Töchter jedoch scheinen zu ahnen was ich vorhabe und bilden schnell eine Mauer. Mir reichts, mit einem gegrummelten "Tschuldigung, darf ich mal" schiebe ich, gleich dem Terminator der eine Aufzugstür am schließen hindern will, gewaltsam meine Hände zwischen Blag nummer eins und Blag nummer zwei und drücke sie kraftvoll auseinander. Trotz heftiger Gegenwehr gelingt mir schließlich der Durchbruch und ich enteile - unter empörten Blicken - in die herrliche Freiheit. 
Nicht daß das Elend damit ein Ende gehabt hätte, nahezu jeden Abend, insbesondere dann wenn ich ohnehin schon recht knapp dran bin um meine S-Bahn zu erreichen, spielen sich ähnlich niederschmetternde Szenen auf der Rolltreppe des Bahnhofs ab. Ebenso wie in praktisch jedem Einkaufszentrum und Großmarkt. Menschen aller Generationen, Geschlechter und sozialer Schichten verwehren ehrenwerten Bürgern die freie Passage auf Rolltreppen. Wann TUT endlich mal jemand was dagegen? Ich glaube ich sollte Flugblätter verteilen: "Links gehen, rechts stehen!"

16.9.07 09:29, kommentieren

Öffentliche Verkehrsmittel

Letzten Sonntag morgen, ich hatte eine Weinseelige Nacht bei und mit meinem Exfreund verbracht, frühstückten wir noch gemeinsam und verbrachten eine gemütliche Stunde auf dem Sofa. Dann beschloss ich den Heimweg anzutreten. Bringen konnte er mich leider nicht, da er nur ein Motorrad besitzt und kein zweiter Helm zur Hand war.

Also machte ich mich auf zur nächsten Bushaltestelle. Der Fußmarsch dort hin war, trotz meiner sehr ausgeprägten Abneigung gegen diese Art der Fortbewegung, dank des schonen Sonnenscheins und der klaren Morgenluft recht angenehm. Ich war guter Dinge, Sex gehabt, schönes Wetter, noch einen Freien Tag vor mir und ein gutes Buch das zuhause auf mich wartete.
Musste ich also nur noch den Heimweg per öffentlicher Verkehrsmittel hinter mich bringen - dies hat für mich etwa die selbe Qualität wie zu fuß gehen: Ich hasse es.

In weiser Voraussicht hatte ich mir von Mr. M eine Zeitschrift geliehen und konnte so die Wartezeit auf den Bus angenehm überbrücken. Als er dann kam setzte ich mich auf einen der etwa 50 freien Plätze. Oder wieviele Sitzplätze hat so ein Bus? jedenfalls eine ganze Menge, und außer mir waren noch maximal 3 weitere Fahrgäste anwesend. Der Bus war also praktisch leer.

An einer der nächsten Haltestelle stieg eine reizende ältere Dame ein und schenkte allen Anwesenden ein Lächeln (oder im Klartext: Sie war etwa 320 und schaute uns an wie eine ziemlich wütende Bulldogge, die mit dem falschen Fuß aufgestanden ist), was dann passierte fand ich derart spaßig, daß ich es nicht einmal schaffe mich darüber aufzuregen:
Sie schaut sich um, erspät die, wie gerade erwähnt sehr zahlreichen freien Plätze und wackelt schnurstracks auf mich zu. Sie baut sich vor mir auf und nörgelt mich an, daß ich aufstehen sollte um Ihr den Platz frei zu machen (mit dem Unterton "Das gehört sich eben so daß du wertloses junges Pack mir Platz machst".
Ich schenkte ihr ein strahlendes Lächeln und erwiederte mit einer Geste in richtung der vielen Freien Sitzreihen und ehrlichem Bedauern in der Stimme "Ja sicher, es ist ja leider sonst nirgends mehr etwas frei" und setzte mich eine Reihe weiter. Es ist doch wirklich schön, wenn man eine gute Tat tun kann und einer freundlichen alten Dame seinen Sitzplatz überlassen.
So beschwingt von meiner Pfadfinder-sprichwörtlichen guten Tat erreichte ich meinen Bestimmungsbahnhof und stieg nach längerer Wartezeit in die S-Bahn ein, die mich schließlich zu meinem Auto bringen sollte.

Zu meinem Glück erblickte ich eine bisher völlig unbesetzte Sitzecke und ließ mich dort nieder um mich wieder ungestört in das Bild der Wissenschaft vertiefen zu können. Doch zu früh gefreut: Eine gut gelaunte Großfamilie, wohl auf dem Weg zu einer Familienfeier, betritt das Abteil und Opa und Oma, mit Enkel auf dem Arm, lassen sich neben mir nieder.
Ich möchte hier ausdrücklich festhalten, daß ich, obwohl ich Kinder nicht besonders mag, es absolut toll finde wenn Großeltern sich liebevoll um ihre Enkel kümmern. Des weiteren finde ich auch Küsse eine absolut positive Sache.
Opa war auch ein wirklich angenehmer Mitfahrer, ganz ruhig vor sich hinlächelnd und aus dem Fenster sehend, genoss er die Fahrt. Oma hingegen redete in einem Fort (und unglaublich schnell) in einer Osteuropäischen Sprache auf das extrem kräftig gebaute Enkelkind ein.
Das einzige was diesen fortwährenden Monolog regelmäßig unterbrach waren die Küsse, die sie Dicki alle paar Sekunden auf die Wange schmatzte. WIe gesagt, Küsse sind eine gute Sache, aber diese waren so richtig ekelhaft. Ein lautes, knallendes, schmatzendes und irgendwie feuchtes Geräusch, einfach unangenehm. Jedes mal wenn sie aufhörte zu reden verkranmpfte ich mich innerlich schon, in Erwartung des nächsten Grauens.
Mich wegzusetzen traute ich mich nicht, das hätte so offensichtlich demonstriert, daß mir meine MItfahrer unangenehm waren, und so unhöflich will man dann ja auch nicht sein. Also erduldete ich mein Schicksal tapfer.
Und ich muß gestehen, als ich endlich an meinem Auto angelangt war, war ich schwer versucht ihm genau einen solchen, intensiven, feuchten, schmatzenden Kuss aufzudrücken.

16.9.07 10:15, kommentieren