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Öffentliche Verkehrsmittel

Letzten Sonntag morgen, ich hatte eine Weinseelige Nacht bei und mit meinem Exfreund verbracht, frühstückten wir noch gemeinsam und verbrachten eine gemütliche Stunde auf dem Sofa. Dann beschloss ich den Heimweg anzutreten. Bringen konnte er mich leider nicht, da er nur ein Motorrad besitzt und kein zweiter Helm zur Hand war.

Also machte ich mich auf zur nächsten Bushaltestelle. Der Fußmarsch dort hin war, trotz meiner sehr ausgeprägten Abneigung gegen diese Art der Fortbewegung, dank des schonen Sonnenscheins und der klaren Morgenluft recht angenehm. Ich war guter Dinge, Sex gehabt, schönes Wetter, noch einen Freien Tag vor mir und ein gutes Buch das zuhause auf mich wartete.
Musste ich also nur noch den Heimweg per öffentlicher Verkehrsmittel hinter mich bringen - dies hat für mich etwa die selbe Qualität wie zu fuß gehen: Ich hasse es.

In weiser Voraussicht hatte ich mir von Mr. M eine Zeitschrift geliehen und konnte so die Wartezeit auf den Bus angenehm überbrücken. Als er dann kam setzte ich mich auf einen der etwa 50 freien Plätze. Oder wieviele Sitzplätze hat so ein Bus? jedenfalls eine ganze Menge, und außer mir waren noch maximal 3 weitere Fahrgäste anwesend. Der Bus war also praktisch leer.

An einer der nächsten Haltestelle stieg eine reizende ältere Dame ein und schenkte allen Anwesenden ein Lächeln (oder im Klartext: Sie war etwa 320 und schaute uns an wie eine ziemlich wütende Bulldogge, die mit dem falschen Fuß aufgestanden ist), was dann passierte fand ich derart spaßig, daß ich es nicht einmal schaffe mich darüber aufzuregen:
Sie schaut sich um, erspät die, wie gerade erwähnt sehr zahlreichen freien Plätze und wackelt schnurstracks auf mich zu. Sie baut sich vor mir auf und nörgelt mich an, daß ich aufstehen sollte um Ihr den Platz frei zu machen (mit dem Unterton "Das gehört sich eben so daß du wertloses junges Pack mir Platz machst".
Ich schenkte ihr ein strahlendes Lächeln und erwiederte mit einer Geste in richtung der vielen Freien Sitzreihen und ehrlichem Bedauern in der Stimme "Ja sicher, es ist ja leider sonst nirgends mehr etwas frei" und setzte mich eine Reihe weiter. Es ist doch wirklich schön, wenn man eine gute Tat tun kann und einer freundlichen alten Dame seinen Sitzplatz überlassen.
So beschwingt von meiner Pfadfinder-sprichwörtlichen guten Tat erreichte ich meinen Bestimmungsbahnhof und stieg nach längerer Wartezeit in die S-Bahn ein, die mich schließlich zu meinem Auto bringen sollte.

Zu meinem Glück erblickte ich eine bisher völlig unbesetzte Sitzecke und ließ mich dort nieder um mich wieder ungestört in das Bild der Wissenschaft vertiefen zu können. Doch zu früh gefreut: Eine gut gelaunte Großfamilie, wohl auf dem Weg zu einer Familienfeier, betritt das Abteil und Opa und Oma, mit Enkel auf dem Arm, lassen sich neben mir nieder.
Ich möchte hier ausdrücklich festhalten, daß ich, obwohl ich Kinder nicht besonders mag, es absolut toll finde wenn Großeltern sich liebevoll um ihre Enkel kümmern. Des weiteren finde ich auch Küsse eine absolut positive Sache.
Opa war auch ein wirklich angenehmer Mitfahrer, ganz ruhig vor sich hinlächelnd und aus dem Fenster sehend, genoss er die Fahrt. Oma hingegen redete in einem Fort (und unglaublich schnell) in einer Osteuropäischen Sprache auf das extrem kräftig gebaute Enkelkind ein.
Das einzige was diesen fortwährenden Monolog regelmäßig unterbrach waren die Küsse, die sie Dicki alle paar Sekunden auf die Wange schmatzte. WIe gesagt, Küsse sind eine gute Sache, aber diese waren so richtig ekelhaft. Ein lautes, knallendes, schmatzendes und irgendwie feuchtes Geräusch, einfach unangenehm. Jedes mal wenn sie aufhörte zu reden verkranmpfte ich mich innerlich schon, in Erwartung des nächsten Grauens.
Mich wegzusetzen traute ich mich nicht, das hätte so offensichtlich demonstriert, daß mir meine MItfahrer unangenehm waren, und so unhöflich will man dann ja auch nicht sein. Also erduldete ich mein Schicksal tapfer.
Und ich muß gestehen, als ich endlich an meinem Auto angelangt war, war ich schwer versucht ihm genau einen solchen, intensiven, feuchten, schmatzenden Kuss aufzudrücken.

16.9.07 10:15

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